Rückblick auf den gemeinsamen Weg - ein Gedicht der Malerin Gisela Al Amily
In diesem langen Gedicht aus der Weihnachtszeit 1988 erzählt die Künstlerin die Geschichte ihres gemeinsamen Lebens mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern. Sie blickt zurück auf die Lebensstationen in London, Bagdad, Riad, Uelzen und einige mehr, berichtet von Höhen und Tiefen und endet schließlich mit einem positiven Ausblick in Hamburg (wo sie 1988 zusammen mit ihrem Mann in einem eigenen Haus in einer angenehmen Wohngegend in Poppenbüttel lebte).
Rückblick auf den gemeinsamen Weg
Von Bagdad kam der Razak her
studieren: Elektroniker
in London, dieser großen Stadt,
die viele hübsche Mädchen hat.
Und eines Tages - wunderbar -
fand er dann seine Gisela.
Er hat um ihre Hand gebeten,
obgleich ihm fehlten die Moneten.
Das und noch vieles andere mehr
mißfiel den Schwiegereltern sehr.
Nach hartem Kampf u. manchem Leid,
freit Razak seine deutsche Maid. -
in Viernheim, im Südhessenland,
wo er bald eine Arbeit fand.
Kaum war das erste Baby dar,
hieß es: zurück im neuen Jahr,
in den Irak, zur Arbeit dort -
und nach acht Wochen war er fort.
Verlassen mußt' er Frau und Kind,
die dann nach Uelzen gezogen sind.
Nach 30 Wochen langer Zeit,
war's endlich dann - gottlob - soweit.
Flog Gisela mit Sack u. Pack,
und Baby Rimi nach Irak.
Es war nicht leicht mit wenig Geld
zu leben in der fremden Welt.
Jedoch nach einer Weile dann,
klopften bei uns die Nachbarn an.
Wurd'n Freunde uns so lieb u. eng,
daß ich noch heute an sie denk.
3 Jahre blieb die Gisela,
bis sie in and'ren Umständ' war.
Nach Uelzen ging's - zu Muttern wieder -
u. nach acht Wochen kam sie nieder
mit einem kleinen, süßen Knaben,
den Faris sie gerufen haben.
Der Razak war zu dieser Zeit
im Orient von hier so weit.
10 Monate mußt' er noch bleiben.
Für alle war's 'ne Zeit der Leiden,
mit Krankheit, Sorgen, wenig Glück,
ach, Razak, kämst Du nur zurück!
Am 10. Juli kam er dann -
nun fing ein neues Leben an.
Der Streß blieb immer der Begleiter -
von Uelzen zogen wir dann weiter
nach Kaki, Hamburg, Uelzen wieder,
Probleme drückten uns hernieder.
Wir wollen diese Zeit begraben,
wo wir so viel gelitten haben.
Nicht nur die Eltern, auch die Kleinen,
wenn ich dran denk, dann muß ich weinen.
Dann ging's nach Riad, Stadt in Saudi.
Dort gab's viel Geld u. manchen Gaudi.
Doch Ärger, Arbeit auch in Massen
und um ein Haar, hätt' man's verkannt,
läg' Gisela längst unterm Sand ...
In Holland hat entnommen ihr
der Arzt die völlig kranke Nier'.
Danach kam eine gute Zeit.
Viel Freude, Freunde, Freundlichkeit.
Auch hier der Spaß ein Ende fand,
es ging zurück ins Heimatland.
Der Streß war wieder der Begleiter. -
Von Uelzen ging's nach Hamburg weiter.
Fragt nicht nach Ärger, Mühe, Plagen.
Es half uns nichts, wir mußten's tragen.
Und schließlich dann, so woll'n wir hoffen,
hab'n wir ins Schwarze doch getroffen.
Mit Fleiß u. Tapferkeit erreicht,
was manchmal einem Wunder gleicht.
Nun bleibt zu hoffen, Gott mög's geben -
daß wir in Frieden können Leben
u. da die Kinder langsam reifen
werd'n sie vielleicht einmal begreifen,
daß Eltern auch nur Menschen sind,
geplagt von Sorgen und oft blind.
Doch eines möchte ich hier schwören,
daß unsere Herzen Euch gehören.
Wie oft ihr auch was ausgefressen,
am Ende hab'n wir's doch vergessen.
So laßt mich denn am Schluß noch sagen:
Wir dürfen streiten -
doch nur mit Vertragen !!!
Weihn. 1988


