Die Kur - ein Gedicht der Malerin Gisela Al Amily
Ein heiteres Gedicht Gisela Al Amilys über eine psychosomatische Kur in Scheidegg im Allgäu, auf der sie im Herbst 1994 war. Vorher war sie dreimal auf ähnlichen Kuren in Bad Wildungen. Insgesamt bewirkten diese Kuren, ihren Aussagen zufolge, sehr bedeutende positive Veränderungen in ihrem Leben.
Die Kur
Es fährt der Mensch zu einer Kur,
sein größter Wunsch: Erholung pur.
Doch kaum am Orte angekommen,
vom Seelenarzt er wird vernommen,
und unter Tränen gibt er preis,
was er sonst zu verdrängen weiß.
Am nächsten Tag geht's in die Vollen,
die Geist und Körper stärken sollen.
Mit kaltem Strahl um 7 Uhr
beginnt die Tagesprozedur.
Dann Frühsport - noch sind schlaff die Glieder,
wie gerne legte er sich nieder.
Beim Frühstück fühlt er sich schon leicht,
wird in der Gruppe aufgeweicht,
taucht nieder auf der Seele Grund,
wo er entdeckt manch traurig Fund.
Und wie sich im Gespräch ergibt,
hat wenig er sich selbst geliebt.
Nach dieser Runde darf er sich verschnaufen,
spazieren, Ansichtskarten kaufen,
sodann sich laben an des Hauses Küche,
danach Entspannung für die Psyche.
Kaffee, Gespräch und Tanzen non-verbale,
treppauf, treppab und Kleiderwechsel viele Male,
auch Callanetics nicht vergessen,
dann frisch geputzt zum Abendessen
ist bald der Mensch schon recht geschafft,
kurz in die Glotze noch gegafft,
fällt er ermattet auf sein Lager,
jedoch sein Schlaf ist äußerst mager,
wälzt sich in seinem Bett herum,
bis endlich dann die Nacht ist um.
Schon bald beginnt ab 7 Uhr
der Tagesfahrplan dieser Kur.
So geht es etwa für 6 Wochen,
bis daß der Widerstand gebrochen
und er nun Besserung verspricht,
zu kommen in sein Gleichgewicht.
Dankt Ärzten, Schwestern, Therapeuten,
und all den vielen netten Leuten,
Grüßt voller Wehmut Berg und Tal
er wird es schaffen, dieses Mal!.....
Gisela Al Amily
8.11.94
Scheidegg Panorama Kurhotel


