Zur Startseite - Website der Malerin/Künstlerin Gisela Al Amily Zur Startseite - Website der Malerin/Künstlerin Gisela Al Amily Zur Startseite - Website der Malerin/Künstlerin Gisela Al Amily

Begegnung - ein Text der Malerin Gisela Al Amily

Nach einem Besuch bei ihrem Sohn in Trier, bei dem sie sich gestritten haben, sitzt die Künstlerin im Zug nach Hamburg. Es geht ihr schlecht. Da steigt eine ältere Dame hinzu, die sich freundlich nach ihrem Befinden erkundigt. Es beginnt eine Unterhaltung, die in einer engen Freundschaft mündet. Der Text entstand am 2. Juli 2003.


Begegnung

Ich hatte einen Besuch bei Rimi in Trier gemacht. Wir hatten uns gestritten. Nun saß ich im Zug nach Hamburg und mir ging es schlecht, genauer gesagt, ich hatte Bauchschmerzen und mir war übel. Ich drückte mich in meine Abteilecke, deckte mich mit meinem Mantel zu und versuchte zu schlafen.

In Köln stieg eine ältere Dame ein. "Entschuldigen Sie, aber Sie sitzen auf meinem Platz," sagte sie.

"Sind Sie sicher, daß Sie sich nicht im Abteil geirrt haben?" antwortete ich etwas kühl, denn eine Reservierung war an diesem Platz nicht ausgewiesen. Sie hielt mir ihre Platzkarte hin. Ohne darauf zu sehen, nahm ich den gegenüberliegenden Sitz ein.

Nach einer Weile fragte sie mich freundlich: "Geht es Ihnen nicht gut?" Offenbar sah ich genau so miserabel aus, wie ich mich fühlte. "Legen Sie doch Ihre Füße auf meine Bank." Dieses Angebot fand ich sehr nett, besonders weil ich zuvor ein wenig schroff gewesen war.

Irgendwie kamen wir nun ins Gespräch, und allmählich fühlte ich mich - vielleicht durch die Ablenkung - ein bißchen besser. Wie sich im Laufe der Unterhaltung herausstellte, wohnte Frau Schulze - so stellte sie sich vor - im selbem Stadtteil wie ich: Poppenbüttel in Hamburg, und zwar über dem ALSTEREINKAUFSZENTRUM, in meiner Nähe.

Am Ende unserer Reise tauschten wir unsere Telefonnummern aus und versprachen, einander einmal anzurufen.

Das geschah, ja wir luden uns sogar gegenseitig ein. Nach und nach entwickelte sich zwischen uns eine enge Freundschaft, die uns nun schon zehn Jahre verbindet. Hilde Schulze, die zwanzig Jahre ältere, ist mir nicht nur eine liebe, mütterliche Freundin, sondern auch eine sehr interessante Gesprächspartnerin, die mir durch ihre Fülle an Lebenserfahrung und ihre Weisheit manch guten Rat geben konnte. Im Dezember wird sie 88 und ich hoffe, daß sie mich noch etliche Jahre in geistiger u. körperlicher Frische mit ihrer Zuneigung und Freundschaft begleitet.

 

 

2. Juli 2003