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Auf dem Bahnhof - ein Text der Malerin Gisela Al Amily

Gisela Al Amily wartet, vermutlich in Hamburg, auf einen Zug nach Schwerin. Da wird sie von einem jungen Mann in gebrochenem Deutsch um eine Aukunft gebeten. Als sich herausstellt, dass er aus Syrien kommt, überrascht ihn die Künstlerin mit ihren Arabischkenntnissen. - Eine nette kleine menschliche Begebenheit, wie sie die Malerin so mochte.


Auf dem Bahnhof

"Enschulligung, könne Sie saggen, wo geht Zug nach Berlin?"

Ein junger, dunkelhaariger Ausländer hielt mir einen Zettel hin.

"Drüben, Bahnsteig 5", antwortete ich, aber eine halbe Stunde müssen Sie sich noch gedulden."

Er lächelte mich dankbar an. Ich wartete auf meinen Zug nach Schwerin.

"Woher kommen Sie?" fragte ich ihn freundlich.

"Syrien - ich Kurde."

Das war mein Stichwort!

"Techschi arabi?"

Ihm blieb vor Verwunderung der Mund offen, dann klatschte er glücklich wie ein Kind in die Hände und strahlte.

"Du Arabisch sprechen?!"

"Schwäije", "ein wenig."

Nun begann ein Palawer in drei Sprachen. Für den Notfall mußte noch Französisch herhalten. - Er kramte in seiner Reisetasche.

"Hier Fottos von Familie. Mama und Papa, Brüder. - Viel traurig.

Ich Asylant, politisch. - Mein Volk kein Heimat. Viel Problem."

Ich blätterte das kleine Album durch. Lauter sympathische Menschen auf den Bildern - Wie mochte sich der junge Kurde in unserem fremdenfeindlichen Land fühlen?

"Kommen Sie, ich lade Sie zu einer Tasse Kaffee ein! - Nein? - Doch!

Können Sie ruhig von einer Frau annehmen. Erstens bin ich viel älter als Sie und zweitens sind wir hier nicht im Orient." -

Nach 20 Minuten kam mein Zug.

"Schukran Mama. Danke! Ma' assalame!"

"Ja, Ma' assalame, alles Gute, Auf Wiedersehen!"

 

 

16. Juli 1998