Rauschen - ein Text der Malerin Gisela Al Amily
Riad, Saudi-Arabien, 1983. Draußen herrscht glühende Hitze bei 45 Grad im Schatten - aber die Malerin liegt entspannt auf dem Sofa im angenehm klimatisierten abgedunkelten Wohnzimmer ihres komfortablen Hauses. Leises Summen der Klimaanlage. Plötzlich gesellt sich ein Klopfen hinzu, dann ein Rauschen - und schlagartig ist es mit der Entspannung vorbei.
Rauschen
Entspannt liege ich auf dem Sofa im Wohnzimmer. Die Klimaanlage fächelt mir kühle Luft zu. Es ist um die Mittagszeit. Draußen glühende Hitze von 45 Grad, die alle Aktivität erlahmen läßt. Ich bin in Riad, Saudi Arabien. In ein paar Stunden, wenn die Sonne sinkt, werden die Menschen zu neuer Geschäftigkeit erwachen. Ich habe mich dem Rhythmus von Ruhe und Lebhaftigkeit angepaßt.
In das Summen der Airconditioning dringt Klopfen. Zuerst in langsamer Folge, dann schneller. Ich richte mich auf und horche in den abgedunkelten Raum. Woher kommt das Geräusch? Aus Klopfen wird Rauschen.
"Um Himmelswillen!" schreie ich, während ich aufspringe und Licht mache. Von der Decke zwischen Wohn- und Eßzimmer ergießt sich ein Wasserfall. Ich raffe Tücher und Gefäße zusammen und plaziere sie unter den Sturzbach. Handtücher aus dem Bad, Schüsseln, Mülleimer aus der Küche. Im Nu sind die Tücher wassergetränkt, die Gefäße gefüllt. Verzweifelt öffne ich die große Schiebetür zum Garten, dort entleere ich die Schalen. Den Mülleimer kann ich nicht tragen. Meine nackten Füße patschen auf dem aufgeweichten Teppichboden hin und her; ich bin bemüht, die Flut einzudämmen, die unaufhaltsam von der Decke strömt. Erschöpft gebe ich auf. Allmählich wird der Strom schwächer und endet in Tröpfeln.
Natürlich weiß ich sofort, was passiert ist. Der 100-Liter-Boiler im Bad über mir ist geplatzt. Sah ich doch in letzter Zeit vor etlichen Gartentoren in der Nachbarschaft geborstene Boiler gleichen Fabrikats zwecks Entsorgung stehen...


