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Der Stein - ein Text der Malerin Gisela Al Amily

Seit Wochen genießt Gisela Al Amily ihr neues Leben in Riad, Saudi-Arabien, da beginnt sie Ende März 1982 Schmerzen in der Nierengegend der rechten Seite zu bekommen. Sie vermutet einen Gallenstein. Eine ärztliche Untersuchung beruhigt sie zunächst - doch die Schmerzen werden schlimmer und schlimmer ...


Der Stein

Inzwischen ist Ende März.

Zweimal täglich sprenge ich die Gärten. Während ich mit der linken Hand den Schlauch halte, stütze ich meine rechte Hand in der Taille ab. Seit kurzem spüre ich dabei einen Schmerz, ertaste sogar eine Verhärtung. "Wahrscheinlich ein Gallenstein", diagnostiziere ich.

Am 26. März soll Rimi aus Düsseldorf kommen. Es sind Osterferien.

Mein vermeintlicher Stein plagt mich jetzt so sehr, daß wir nachmittags Dr. Heeren im Philips-Camp anrufen. Er empfiehlt Buscupan-Zäpfchen und bestellt mich für den nächsten Tag in seine Sprechstunde.

In der Apotheke gibt es statt Zäpfchen nur Tabletten, die wenig wirksam sind, so daß ich vor Schmerzen nicht in der Lage bin, Rimi nachts mit vom Flughafen abzuholen.

Am folgenden Morgen fährt Razak mit mir in das 45-Minuten entfernte Camp, zuerst auf einer Autostraße, dann auf einer Wüstenpiste.

Die Anlage ist durch hohe Mauern gesichert.

An der Einfahrt überprüfen Wächter Razaks Firmenausweis - wir dürfen passieren.

Der Arzt untersucht mich. In meiner Urinprobe stellt er Bakterien fest. Ich bekomme Medizin und soll in zwei Wochen wiederkommen. "Zum Glück nichts Ernstes.", denke ich erleichtert.

Wie habe ich mich auf Rimi gefreut, nun kann ich seinen Besuch kaum genießen, es geht mir schlecht. Natürlich muß das Medikament erst wirken.

Früh am 28. fliegt Razak beruflich nach Dahran an den Golf. Die Jungs schlafen noch, als um 9 Uhr mein Fahrer kommt. Ein Ausflug in den Souk wird mich vielleicht etwas ablenken. Ich nehme ein Schmerzmittel.

Im Souk halte ich es nicht aus. Muß zurück. Bin schrecklich elend. Zuhause lege ich mich sofort ins Bett. Die Kinder sind besorgt. Füllen mir eine Plastikflasche mit sehr heißem Wasser. Ich lege sie auf die schmerzende Stelle. Für einen Moment überdeckt das Brennen der Wärmflasche den stechenden Schmerz in meinem Bauch, um mich danach noch wilder zu peinigen.

Jetzt weiß ich, was es heißt: vor Schmerzen an den Wänden hochgehen ...