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Glücklich, wie lange nicht - ein Text der Malerin Gisela Al Amily

Seit vier Wochen lebt Gisela Al Amily zusammen mit ihrem Mann, einem ihrer Söhne und Kater Mucki in Riad. Nach schwierigen Jahren, oft beruflich bedingt lange getrennt von ihrem Mann, genießt sie dieses neue gemeinsame Leben in der Hauptstadt Saudi-Arabiens. Dazu trägt auch viel die Firma Philips bei, die für die Familie ein komfortables Haus angemietet hat und auch sonst für manche Annehmlichkeit sorgt - unter anderem für einen Houseboy, der im Haushalt hilft. Die Künstlerin lernt Menschen aus aller Welt kennen. Kater Mucki erforscht sein neues Jagdrevier. - Und auch die Malerin hat ein Jagdrevier ...


Glücklich, wie lange nicht

Sonne, blauer Himmel, Wärme.

März 1982.

Seit vier Wochen bin ich in Riad, Saudi Arabien und ich bin glücklich.

Mehr als drei schwierige Jahre liegen hinter mir. Der Umzug mit den Kindern zu meinem Vater nach Uelzen, Sanierung des Hauses. Familie, Haus und großer Garten fast ausschließlich in meiner Obhut. Mein Mann arbeitet und wohnt in Hamburg und kommt nur an den Wochenenden zu uns. Bald auch das nur sporadisch, denn er ist wochenlang für Philips in Saudi-Arabien tätig.

Eine Familienaufenthaltserlaubnis ist beantragt. Die Genehmigung lässt auf sich warten.

In der Zwischenzeit zieht mein Vater zu seiner Jugendfreundin, Rimi ins [...]Internat nach [...] und Razak, Faris und ich fliegen endlich am 16. Februar mit Kater Mucki und sieben Koffern nach Riad.

Wir sind froh über unser Wiederzusammenleben.

Faris besucht die Deutsche Schule. Er genießt es, in einem Chevrolet von einem Chauffeur hin- und herkutschiert zu werden und ist begeistert von den vielen Luxuslimousinen, denen er unterwegs begegnet.

Kater Mucki erforscht tagelang das Haus und sein neues Jagdrevier.

Die Firma hat für uns in einer schönen Wohnanlage ein großes, neues Haus gemietet, ausgestattet mit dänischen Möbeln. Noch fehlen zur Behaglichkeit Bilder und ein wenig Zierat.

Die Gärten vor und hinter dem Haus sind von hohen Mauern umgeben, an denen Rankelgewächse emporklettern. In der Mitte des Vorgartens eine kleine Fächerpalme, die sich dank meiner Fürsorge durch zweimal tägliches Wässern, prächtig entwickelt, genauso die Rosenstöcke und der Rasen.

Ein Houseboy aus Sri Lanka kommt stundenweise zum Bügeln und Putzen, ein jemenitischer Fahrer fährt mich dreimal wöchentlich zum Supermarkt oder zum Souk und holt mich später wieder ab.

Der Souk ist MEIN Jagdrevier, in dem ich mit Luchsaugen nach schönen alten Beduinenschmuckstücken Ausschau halte. Werde ich fündig, gibt es nichts Amüsanteres für mich, als mit den Händlern zu feilschen, die offensichtlich genauso viel Spaß daran haben wie ich. Sie würdigen meine Arabischkenntnisse mit Anerkennung - und günstigeren Preisen. Bald kenne ich die Namen vieler Schmuckverkäufer. Sie bedienen mich stets respektvoll und freundlich und holen auch mal ein besonderes Stück unter dem Ladentisch hervor. Wenn mein Geld einmal nicht reicht, gewähren sie mir vertrauensvoll Kredit.

Ich lerne Menschen aus aller Welt kennen, erlebe sehr viel Interessantes und bin dankbar für die guten Voraussetzungen, die Philips uns in diesem Land geschaffen hat, in dem es viele Verbote gibt und in dem alle Frauen sich verhüllen müssen und in dem ich trotzdem glücklich bin, wie lange nicht ...