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Abschied - ein Text der Malerin Gisela Al Amily

Die Künstlerin ist hochschwanger und die Hitze extrem, was die Vorbereitungen für die Heimkehr nach Deutschland beschwerlich macht. Letzte Einladungen von Freunden und Bekannten, die Zeit vergeht schnell. Dann ist der Tag gekommen - der Abschied für immer von Bagdad und der Abschied von liebgewonnen Menschen.


Abschied

Unsere Abreise nach Deutschland war für den 6. Juli 1969 geplant.

Für Rimi und mich Abschied für immer von Bagdad.

Vorher hatte ich noch alle Hände voll zu tun. In zwei große Kisten packte ich unsere wichtigsten Habseligkeiten für den Transport nach Uelzen. Mein inzwischen sehr runder Bauch machte die Arbeit beschwerlich, dazu die grausame Hitze. Einladungen von Freunden und Bekannten, Abschiedsgeschenke. Die letzten Tage vergingen im Nu.

Als am Abflugstag unser Taxi kam, versammelten sich die Nachbarn aus den umliegenden Häusern, um uns Ma'assalame zu sagen. Nur Abu Leon kam nicht an die Tür, offenbar von Trauer überwältigt, besonders wegen "Abu Jassim" , wie er Rimi scherzhaft nannte. Mama Lucy, Shake, meine Kollegin Deli und Razaks Freund Wohab begleiteten uns zum Flughafen. Mein Herz war schwer, besonders wegen meiner Nachbarinnen, die mir Geborgenheit in der Fremde gegeben hatten. Würde ich sie je wiedersehen?

Wir umarmten uns und weinten - auch wir waren ein großer Verlust für sie.

Ein letztes Winken.

Unser Flug ging bis Sofia. Übernachtung im Hotel. Stadtbummel. Am nächsten Tag weiter nach Frankfurt, von dort per Zug nach Uelzen, zu meinen Eltern.

Vier Wochen blieb Razak bei uns, dann mußten wir uns für etwa ein Jahr verabschieden. Ich wußte, daß eine schwere Zeit vor mir lag - ahnte nicht, daß sie mich an den Rand meiner psychischen und physischen Belastbarkeit bringen sollte durch unvorhersehbare, schlimme Ereignisse, von denen ich vielleicht später erzählen werde.