Albträume - ein Text der Malerin Gisela Al Amily
Bagdad nach dem Sechstagekrieg. Mitten in der Stadt sind in aller Öffentlichkeit vermeintliche Spione aufgehängt worden - für Gisela Al Amily ein erschütterndes und beängstigendes Ereignis. Kurz darauf wird die Malerin von schlimmen Albträumen heimgesucht. Eine böse Vorahnung?
Albträume
Bagdad 1969. Mitten in der Stadt waren mehrere angebliche Spione (elf) aufgehängt worden. Ein für mich erschütterndes und beängstigendes Ereignis. Kurz darauf hatte ich einen Traum, den ich bis heute nicht vergessen habe: ICH sollte gehängt werden. Ich weinte und klagte: "Ich bin doch noch so jung..." Es half nichts. Ich mußte einen Schemel besteigen, eine Schlinge wurde mir um den Hals gelegt. Ich wußte, gleich würde der Schemel weggestoßen werden und der Strick mir das Genick brechen. Ich tröstete mich, daß der Moment vom Leben zum Tode nur sehr kurz sein würde. Statt zu sterben aber erwachte ich. War erleichtert und doch den ganzen Tag bedrückt.
Wochen später sollte ich in meinem Traum erschossen werden. Ich stand vor einer schwarzen Wand. Vor mir aufgebaut Männer mit auf mich gerichteten Gewehren. Wieder weinte ich und flehte um mein Leben, während ich hin und herlief, um den Kugeln zu entgehen. Ehe ein Schuß fiel, erwachte ich aus diesem Traum. Er hing mir noch lange nach.
Waren diese Albträume eine Vorahnung auf meine schwere Krankheit, die mich mit 46 Jahren fast das Leben gekostet hätte?


