1967 - Ereignisse zum Sechstagekrieg - ein Text der Malerin Gisela Al Amily
Unangenehme Kriegserinnerungen flammen auf, als der Sechstagekrieg ausbricht. Gisela Al Amily sieht sich als Ausländerin in Bagdad plötzlich Anfeindungen ausgesetzt, wird beschimpft. In einem Bus kommt es zu einer brenzligen Situation. Wenig später eine schreckliche Nachricht. Unruhen drohen. Die Schule wird eilig geräumt. Das Fernsehen zeigt das grausige Geschehen.
1967 - Ereignisse zum Sechstagekrieg (Beginn 5.6.)
Aus Radio und Fernseher pausenlos Militärmusik, Kampflieder, Kriegsberichte. In Bagdad Alarm- und Verdunklungsübungen. Hamsterkäufe, Anspannung.
Kriegserinnerungen aus meinen Kindertagen wurden plötzlich wieder lebendig.
Die Kampfhandlungen waren nach sechs Tagen vorbei, aber nun gab es Feindseligkeiten gegen Ausländer. Kinder riefen mir auf der Straße nach: "Ingilisie, Amerikie!" Das waren Schimpfwörter: Engländerin, Amerikanerin.
Von ähnlichen Erlebnissen berichteten auch meine Kolleginnen von der Deutschen Schule.
In einem Bus entstand Unruhe, als eine Frau meinen Mann herausfordernd fragte, warum er so eine - sie zeigte auf mich - mitgebracht hätte. Es gäbe doch genug Irakerinnen. Eine Diskussion ging quer durch den Bus. Ich verstand zwar, daß einige die Frau beschimpften, war aber erleichtert, als endlich eine Haltestelle kam, und wir uns absetzen konnten.
Kurze Zeit später ereignete sich folgendes:
Morgens im Kindergarten servierte Habib, der Schuldiener, Deli und mir, wie immer, unseren Gahawa (Mokka), dann flüsterte er: "wissen Sie, daß an der Bab-al-Shergi Spione aufgehängt wurden?" Das war mitten in der Stadt. Wir schauten ihn ungläubig und entsetzt an. Herr Frenzel, der gerade seine Kinder brachte, bestätigte das Geschehen, sichtlich bestürzt. Kurz darauf unser Schulleiter, Herr Greve: "Wir befürchten Unruhen, wir schließen die Schule."
Nun hektische Geschäftigkeit. Eltern benachrichtigen, Fahrgemeinschaften bilden usw.
Auch mein Mann war gekommen, begleitete eine Kollegin (Helma) bis zu ihrem Haus in einen Vorort. Nach zwei Stunden war die Schule geräumt. Ich brachte die kleine Caroline Afeiche in ihr nahes Zuhause und machte mich beklommen mit Rimi auf den Heimweg per Bus.
Erstmal zu den Mouradians.
Die saßen gebannt vor ihrem Fernseher, der eine Szene des Grauens ausstrahlte: Elf angebliche Spione hingen, sachte im Wind hin- und herschwingend, rund um den besagten Platz, umringt von einer Masse Schaulustiger. Männer, oft mit kleinen Kindern auf den Schultern, Frauen, alle wollten dieses Spektakel aus der Nähe sehen. Dazu sollten sie kurz danach noch zweimal Gelegenheit haben.


