Zur Startseite - Website der Malerin/Künstlerin Gisela Al Amily Zur Startseite - Website der Malerin/Künstlerin Gisela Al Amily Zur Startseite - Website der Malerin/Künstlerin Gisela Al Amily

Faris unterwegs - ein Text der Malerin Gisela Al Amily

Nach einer Frühgeburt im vergangenen Jahr ist die Künstlerin erneut schwanger (mit ihrem zweiten Sohn, Faris). Aber die Zukunftsaussichten in Bagdad sind keineswegs rosig, ebensowenig die Aussicht, ihr Kind in einem irakischen Krankenhaus zur Welt zu bringen. Da überrascht ihr Mann sie mit einem Vorschlag, der so verlockend ist, dass sie alle Bedenken vergisst. Doch seine Umsetzung erfordert auch Opfer.


Faris unterwegs

Ich war glücklich: wieder schwanger. Untersuchungen bei einer Gynäkologin wurden diskret unter einem Leinentuch durchgeführt.

Gegen anfängliche Übelkeit half allein Saft von Bitterorangen aus Mama Lucies Garten. An meinen Beinen entwickelten sich dicke Krampfadern, an manchen Stellen große blau-schwarze Flecke. Die Hitze brachte mein Blut zum Stocken ...

Razak und ich sprachen nun häufiger über unsere Zukunftsperspektive. Sie war nicht rosig.

Eines Tages überraschte er mich mit dem Vorschlag, für immer nach Deutschland zurückzukehren. Ich mit Rimi ein paar Wochen vor der Entbindung, vorausgesetzt, ich käme bei meinen Eltern unter, er ein Jahr später, nach Ableistung seines Stipendiums. - Ein Jahr ohne ihn - eine lange Zeit! Liebgewordene Menschen für immer verlassen, schmerzte. Die Verlockung aber, wieder in meinem Land zu leben, in der Geborgenheit meiner Eltern und mein Baby in einer hellen, sauberen Klinik zur Welt zu bringen, ließ mich alle Gegenargumente vergessen.

Meine Eltern waren überglücklich über unsere beabsichtigte Heimkehr, die für Anfang Juli geplant war. Mein Mann würde uns begleiten, einen Monat bleiben, danach Abschied für lange.

Bis zu den Ferien Anfang Juni arbeitete ich weiterhin im Kindergarten, Zuhause an den Vorbereitungen unserer Haushaltsauflösung. Razak würde ein Zimmer bei armenischen Bekannten in der Nähe mieten.

Ehe ich den Irak verließ, gab es noch einige Erlebnisse, von denen ich erzählen möchte: