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Lucy Mouradian und Familie - ein Text der Malerin Gisela Al Amily

Die Künstlerin entwickelt eine innige Freundschaft zu einer armenischen Nachbarsfamilie. Ihr kleiner Sohn lernt Armenisch und wird zum "Dolmetscher". Eine zentrale Person ist für die Malerin Mutter, Freundin und Heimat zugleich - Mama Lucy.


Lucy Mouradian und Familie

Ihnen möchte ich ein ganzes Kapitel widmen.

Seit ihrer ersten Einladung zum Kaffee folgten noch viele. Rimi war bald wie Kind im Hause der Mouradians. Armenisch sprach er so gut wie Deutsch und half bei Verständigungsproblemen, wenn mit Englisch nichts mehr ging. Kein Tag ohne Treffen. Inzwischen verband uns eine innige Freundschaft. Rimi und ich liebten es, in Mama Lucys Küche zu sitzen mit Shake und der Mutter beim Kochen zuzuschauen. Oft verbrachte sie den ganzen Vormittag mit Vorbereitungen. Sie war eine ausgezeichnete Köchin. - Wir plauderten. Wenn das Essen fertig war, bekamen wir eine Kostprobe.

Niemand würdigte ihre Kochkunst mehr als ich......

Wenn unser Nachbar von der Arbeit kam, hatte er häufig eine Überraschung für Rimi. Zu unserer aller Vergnügen vollzog sich immer dasselbe Ritual: auf Abu Leons Kommando, natürlich auf Armenisch, brachte der Kleine Aschenbecher, Pantoffeln und Wasser und bestellte bei Mama Lucy "Surtsch" - Kaffee. Es war eine Wonne, das Kind geschäftig hin und hersausen zu sehen, in seinem langen Araberhemd, das meine Nachbarin ihm genäht hatte.

Meistens saßen wir abends alle zusammen auf ihrer Terrasse, Nachbarn und Freunde kamen dazu. Der damals dreizehnjährige Aram kümmerte sich viel um Rimi, aber auch Leon und Shake. Sie war für mich wie eine Schwester. Ging mit mir zum Souk u. Schwimmbad und nahm mich - wie selbstverständlich - mit zu Hochzeiten und Veranstaltungen in Schule und Club.

Manchmal sangen die Armenier bei unseren Zusammenkünften ihre schwermütigen Lieder. Dann mußte ich mir schon mal eine heimliche Träne abwischen - Heimweh nach Deutschland und Rührung und Dankbarkeit über die Zuneigung, die diese Menschen uns so reichlich entgegenbrachten. Sie gaben uns Geborgenheit. Mama Lucy war für mich Mutter, Freundin und Heimat.