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Ein bisschen Deutschland - ein Text der Malerin Gisela Al Amily

Gisela Al Amily beginnt eine Arbeit als Kindergärtnerin an der deutschen Schule in Bagdad (Irak). Sie gewinnt neue Freunde und die finanzielle Situation der Familie verbessert sich erheblich - und es gibt drei Monate bezahlte Ferien. Dann ermöglicht das Organisationstalent ihres Mannes etwas, das bei der Künstlerin einen Freudentaumel auslöst.


Ein bisschen Deutschland

Zu Herrn Braun, Razaks deutschem Direktor, und Frau entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung. Sie waren es, die mir eine Stelle an der deutschen Schule vermittelten, als dort ein Kindergarten eingerichtet wurde. Ich war nun "Tante" Gisela. Deli, die Leiterin, und ich arbeiteten sehr gut zusammen und trafen uns bald auch privat. Manchmal auch mit den Lehrerinnen. Wir alle waren mit Irakern verheiratet, mit einer Ausnahme.

Etwa vierundzwanzig vorwiegend deutsche Kinder ab drei Jahren waren in unserer Obhut. Rimi ging, bis er drei wurde, für einige Monate in die armenische Vorschule, in der Shake von nebenan Lehrerin war. Er war der Jüngste und wurde wieder einmal von allen verwöhnt und geliebt.

Mein Leben veränderte sich. Ich lernte viele Frauen der deutschen Gemeinde und Botschaft kennen. Etliche wohnten im Nachbarstadtteil MESBAH, ebenfalls Standort unserer Schule und Auslandsvertretung. Rimi und ich wurden oft zu Kindergeburtstagen eingeladen, mein Mann und ich zu privaten Abendgesellschaften und gelegentlichen Botschaftsempfängen. - Deutschland war näher gerückt.

Mein Verdienst besserte unsere Haushaltskasse erheblich auf. Drei Monate bezahlte Ferien, auch für Razak, machten Hoffnung auf Heimaturlaub.-

Mein Mann brachte sein ganzes orientalisches Organisationstalent zum Einsatz, um einen günstigen Flug zu ergattern. Täglich erwartete ich mit Spannung seine neuesten Erkundigungsnachrichten. Schließlich: Ost-Berlin und zurück mit INTERFLUG pro Erwachsenen fünfhundert Mark - statt eintausendzweihundert mit einer westlichen Gesellschaft - Kind hundert Mark.

Ich wurde von einem unbeschreiblichen Freudentaumel erfaßt. Nach zwei Jahren endlich einmal nach Hause - für acht Wochen! Geschenke für Verwandte und Freunde - alles drehte sich nur noch um unsere Reise. Als sie endlich losging, war ich wie verzaubert. Sechs Flugstunden bis Berlin-Schönefeld. Nach dem staubigen Bagdad sahen wir nun mit Verwunderung das viele Grün. Nie zuvor hatte ich so viel Grün gesehen in Deutschland - bildete ich mir ein......

Es war Abend, als alle Formalitäten geregelt waren. Razak organisierte eine Übernachtung im feinen DDR-Hotel LUISENHOF (?) auf Kosten der Luftfahrtgesellschaft. Am nächsten Tag Grenzübergang Bahnhof FRIEDRICHSTRASSE, vorher wieder Papierkrieg. Dann per Bahn nach Uelzen. Glückliches Wiedersehen mit allen Lieben - Erzählen ohne Ende. -

Mit vielen Besuchen und Unternehmungen verging die Zeit. Bald hieß es wieder Abschied nehmen.