Die kleinen Vergnügen des Alltags - ein Text der Malerin Gisela Al Amily
Malerin Gisela Al Amily schreibt von einigen Annehmlichkeiten und anderen interessanten Aktivitäten während ihres Lebens in Bagdad (Irak): vom Lebensmittelsouk, vom Genuss eines "Masgouf" direkt am Tigris, vom Schwimmbad - und sie erzählt von einer Zauberformel, die ihr Herz schneller schlagen ließ.
Die kleinen Vergnügen des Alltags
Manchmal spazierten wir zum Lebensmittelsouk, etliche Straßen entfernt, wo ich neugierig manche mir unbekannten Gewürze beschnupperte und mich an den kunstvoll aufgetürmten Obst- und Gemüsepyramiden erfreute, mich naserümpfend von den Fleischerläden abwand, wo oft ganze Tiere, frisch geschlachtet, Fell und Eingeweide entfernt, vorm Laden hingen - Labsal für Fliegenschwärme.... Es gab Rind-, Lamm- und Hühnerfleisch zu kaufen. Schweine werden nicht verzehrt. Die gelten im Islam als unrein.
Wenn wir noch weiter marschierten, Rimi in der Kinderkarre, kamen wir an den Tigris, zu "Abu Nouas" , einer Gartenlokal-Meile direkt am Fluß. Hollywoodschaukeln, bunte Lichterketten, vor allem aber die Kühle durch die Nähe des Wassers luden zum Verweilen ein. Es gab Cafés ausschließlich für Männer, andere für Familien.
Wir tranken Fanta, nur einmal gönnten wir uns Masgouf, einen großen Flußfisch, herzhaft gewürzt und auf Spießen am offenen Feuer gegart.
Mesbah - Schwimmbad
Die Schwimmbäder hatten geregelte Zeiten für Männer, Familien und Frauen mit Kindern. An den Frauenbadetagen herrschte eine gelöste, vergnügte Stimmung. Shake traf sich dort mit Freundinnen und Rimi und ich durften mit. Wassertemperatur: 27 Grad, ganz nach meinem Geschmack...
Auf dem Rasen hatte ich meine erste und einzige Begegnung mit einem Skorpion - jedenfalls im Irak.
Wenn wir in der Mittagsglut heimgekehrt waren, stürzten wir uns wie Verdurstende auf das Wasser im Kühlschrank.....
Souk
Dieses Wort war eine Zauberformel, die mein Herz schneller schlagen ließ. Der Souk lag im Stadtzentrum und war leicht mit dem Bus erreichbar.
Ausstieg: Share-ar-Raschid. Hier schoben sich unter Arkaden Menschenmassen an den Geschäften vorbei. Freche Männerhände nutzten das Gedränge, westlich gekleideten Frauen in den Po zu kneifen.
Abbiegen nach links in die Share-al-Monstanzir. Hier ein Juwelier neben dem anderen. Ich konnte mich nicht sattsehen an den kunstvollen Filigrangeschmeiden und den aufwendig gefaßten Türkisen und anderen Edelsteinen. Ob ich auch einmal ein so schönes, handgearbeitetes Schmuckstück besitzen würde ?
Am Ende der Straße endlich der Souk. Die Gänge meist eng und dämmrig, durch Sonnensegel geschützt vor zu viel Hitze. Auch hier Laden neben Laden und Gedränge in den holprigen Gassen.
Ab und zu bahnten sich Treiber mit hochbeladenen Packeseln oder Träger, durch schwere Lasten auf dem Rücken tief gebeugt, mit kurzen, lauten Kommandos ihren Weg durch die Menge.
Schmutz, Staub, Bettler, Stimmengewirr und ein Gemisch von Gerüchen, das ohrenbetäubende Hämmern der Kupferschmiede, Beduinen, Fellachen und Stadtmenschen, feilschend oder per Handschlag Verträge besiegelnd, dazu die bunte Kulisse der Waren. Alles zusammen gab diesem Labyrinth das märchenhafte Flair von Tausendundeiner Nacht.
Mit meinen geringen Arabischkenntnissen handelte ich bald so gut wie eine Einheimische. Davon beeindruckt und amüsiert über mein gebrochenes Arabisch, kredenzte mir manchmal der Händler ein kaltes Getränk oder schickte seinen Ladendiener zum Teeholen. Tshai iraqi, stark und süß, - köstlich - wurde an jeder Straßenecke von schmuddeligen Arabern auf einem Propankocher zubereitet. Die benutzten Gläser kurz in einer Schüssel durchs Wasser geschwenkt - und dann - der Nächste bitte.... Alles andere als appetitlich, aber einer Teeeinladung konnte ich nie widerstehen.


