Sommer - Sonne - Sand - reichlich - ein Text der Malerin Gisela Al Amily
Temperaturen in Bagdad von fast 50 Grad - natürlich im Schatten - machen der Künstlerin zu schaffen - und führen zu einem deutlichen Schwund des Geschirrs. Wüstenstürme bringen eine rötlich-gelbe Fracht, die den Himmel trübt und anschließend viel Arbeit erforderlich macht. Aber die Malerin erlebt auch Dinge, die an Tausendundeine Nacht erinnern.
Sommer - Sonne - Sand - reichlich
Von Februar bis April herrschten Temperaturen, die zu Spaziergängen einluden. Im Mai hatten wir bereits 40 – 42 Grad - im Schatten, versteht sich. Nun wurde es Zeit, unsere Schlafplätze auf das Dach zu verlegen - wie in Bagdad damals üblich. Juli, August kletterte das Thermometer bis auf 48 Grad. HÖLLE ! Viel Porzellan ging bei uns zu Bruch. Es glitt mir einfach aus der Hand vor Mattigkeit.
Wie köstlich, wenn es sich spät abends abgekühlt hatte, wir uns auf unseren Betten ausstrecken konnten, nur bedeckt mit einem Laken als Moskitoschutz, über uns der prächtig funkelnde Sternenhimmel des Orients.
Bei Sonnenaufgang weckte uns der Muezzin mit seinem Ruf zum Gebet. Ein bewegender Moment, wenn er, wie ein Vogel in den noch frischen, stillen Morgen sang.
Unser Bettzeug wurde tagsüber zusammengerollt und abgedeckt, zum Schutz vor der sengenden Sonne. Über den Innenhof hatten wir ein Segel gespannt, die dunklen Vorhänge im Haus blieben stets geschlossen, Rimi plantschte ausgiebig in seiner Wanne draußen und ich stellte mich mehrmals täglich unter die kalte Dusche. So versuchten wir, mit der Hitze fertig zu werden.
Wenn wir, nach Razaks Arbeit, Mittag gegessen hatten, fielen wir wie gefällte Bäume auf unsere Strohmatten im Haus. Der Ventilator wirbelte. Nach zwei Stunden erwachten wir zu neuem Leben, schweißgebadet.
Den Nachmittagsmocca nahmen wir oft bei den Mouradians ein, wo sich meistens noch andere Besucher einfanden. Es wurde lange palawert - wir hatten ja so viel Zeit....
Es gab Tage, an denen die Sonnenstrahlen nur getrübt, wie durch einen gelblichen Schleier schimmerten.
Irgendwo in der Wüste hatte es gestürmt. Nun entluden sich die sandgeschwängerten Wolken. Puderfein drang der Sand in Nasen, Mund und Ohren, in die Häuser, in Schränke und Schubladen. Überall rötlich-gelber Staub.
Viel Arbeit gab es, wenn alles vorüber war.....


