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Dar es Salam - Haus des Friedens - ein Text der Malerin Gisela Al Amily

Gisela Al Amily erleidet in Bagdad eine Fehlgeburt. Sie begibt sich in ein Krankenhaus, um eine Kürettage (Ausschabung der Gebärmutter) vornehmen zu lassen. Die hygienischen Zustände dort sind katastrophal, insbesondere für die auf Sauberkeit besonders bedachte Künstlerin. Die Behandlung "erster Klasse" entwickelt sich zu einem Alptraum - denn sie erfolgt ohne jegliche Betäubung.


Dar es Salam - Haus des Friedens

Ich war schwanger. Ende zweiten Monats plötzliche Blutungen, dann Fehlgeburt.

Mama Lucie hatte mir empfohlen, ein Bettlaken mit ins Krankenhaus zu nehmen. - Wie klug - dachte ich, als wir das finstere Dar-es-Salam-Hospital betraten. Überall in den dämmrigen Fluren hockten Erwachsene und Kinder auf dem Boden vor den Krankenzimmern. Die Schwestern vermummt mit Tüchern um den Kopf und in gräulich-schmuddeligen langen Gewändern. Einheimische Pflegerinnen wurden gering geschätzt.

Ich ließ mich "privat" behandeln. Eine Ärztin führte mich in eine Art Kreißsaal und wies mir eine Pritsche zu mit einem schmierigen Kopfkissen, wie ich es noch nie gesehen hatte. Das Laken urinfeucht. Ich versuchte die nasse Stelle zu vermeiden und klemmte mich ganz an den Rand, worauf die Ärztin zischte, ich möge mich in die Mitte legen. Eingeschüchtert und über die Zustände schockiert, brachte ich keinen Protest hervor. Als die Frau für einen Moment den Raum verlassen hatte, weinte ich laut vor mich hin. Ich war sicher, sie haßte Ausländerinnen. Als sie zurückkam, hieß sie mich auf eine andere Liege überwechseln. Diese bedeckt mit einem blutverschmierten Gummituch.

Mit Stricken band sie meine Beine an Stützen fest wie bei einem gynäkologischen Stuhl und nahm dann ohne Betäubung die Kürettage vor.

Meine Qual möchte ich nicht beschreiben. Ich grub meine Zähne in meinen Unterarm, Tränen stürzten aus meinen Augen. Nur keinen Schmerzenslaut geben vor dieser Frau ! –

Nachdem sie mich mit einem langen Gazestreifen austamponiert hatte, war ihre Arbeit beendet. Beim Anblick meines tränennassen Gesichtes sagte sie verächtlich: "We always do it like this with our women...."

.... I wonder how much they scream... hätte ich am liebsten geantwortet.

Zwei Stunden mußte ich zur Beobachtung in einem Krankenzimmer bleiben - in einem benutzten Bett. Zum Glück wurde mein Mann zu mir gelassen und das mitgebrachte Laken konnte in Aktion treten.

Das nannte sich also Behandlung I. Klasse...

Wo die Bettinhaberin sich befand, erfuhr ich nicht. Ihre Kleidung lag auf einem Stuhl und der Nachtschrank war voller persönlicher Dinge.

Unter dem Eindruck des Erlebten wurde ich noch einmal von Weinen geschüttelt. Mein Mann hielt tröstend meine Hand.

Den Eingriff überstand ich ohne spätere Komplikationen. Im nächsten Jahr war ich wieder schwanger, diesmal mit einem glücklichen Endergebnis: FARIS ! - aber davon später.