Mein erster Winter in Bagdad - ein Text der Malerin Gisela Al Amily
Nachdem die Malerin für sie völlig ungewohnte extreme Hitze und Trockenheit in Bagdad erfahren hat, erlebt sie in ihrem ersten Herbst und Winter dort ein völlig anderes Klima. Ein Kleidungsstück kommt zum Einsatz, das man in Bagdad eher für nutzlos halten würde, und ein "Sopa" leistet gute Dienste. Weihnachten feiert sie auf unerwartete Weise.
Mein erster Winter in Bagdad
Im November endlich Regen:
die Luft von Staub befreit, tankten Haut und Lunge gierig Frische. "Landunter" auf manchen Nebenstraßen, die, zum Teil unbefestigt, sich in schlammige Rutschbahnen verwandelten. In den Löchern sammelte sich das lehmige Wasser. Wehe dem Fußgänger, wenn ein Auto passierte..... Auch wir mußten einmal wie begossene Pudel nach Hause schleichen - zum Kleiderwechseln.....
Dann Anfang Dezember der Winter, übergangslos, mit Temperaturen unter Null. Mein Pelzmantel war plötzlich kein sinnloser Luxus mehr. Ein Perserteppich, den wir inzwischen auf Raten erstanden hatten, verbreitete Gemütlichkeit und einen Hauch Wohlstand. Wärme lieferte unser "Sopa", ein transportabler Kerosin-Kanonenofen. Seine Abgase mußten durch einen Fensterspalt entweichen.
Trotz beschränkter Möglichkeiten zauberte ich ein wenig Adventsstimmung: Weihnachtsdekoration, Kekse und Marzipan, alles aus eigener Werkstatt.
Heilig Abend feierten wir sogar mit einem deutschen Gottesdienst in einer entfernten Kirche. In Gedanken war ich in der Heimat.
Am ersten Feiertag Einladung bei den Namos. Haus und Inventar ließen auf Wohlstand schließen. Bei köstlichem Essen und lebhafter Unterhaltung - in Deutsch ! - wurden wir einander vertrauter.
Als im Februar der Frühling begann, fühlte ich mich längst nicht mehr fremd, denn auch mit Herta und Hussain sowie mit unseren Nachbarn war ich inzwischen freundschaftlich verbunden.


