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In guter Nachbarschaft - ein Text der Malerin Gisela Al Amily

Die Künstlerin lebt seit einigen Wochen in Bagdad im Irak, seit kurzem in einem kleinen Haus. Da verspürt sie die starke Sehnsucht nach einer Freundin in dieser Fremde. An einem Sonntagvormittag klingelt es an der Tür. - Eine jahrelange innige Freundschaft mit einer armenischen Nachbarsfamilie kündigt sich an.


In guter Nachbarschaft

"Ach, hätte ich doch eine Freundin hier.", wünschte ich mir oft, besonders wenn mein Mann zur Arbeit war u. mein kleiner Sohn schlief.

Seit ein paar Wochen lebte ich in Bagdad, hatte mit großem Interesse die fremden Eindrücke in mich aufgenommen und unser Häuschen mit den gegebenen Möglichkeiten gemütlich eingerichtet.

Nun spürte ich plötzlich großes Verlangen nach einer Freundin.

Eines Tages, es war ein Sonntagvormittag, sollte mein Wunsch in Erfüllung gehen, zumindest die Erfüllung sich anbahnen.

Es klingelte an der Haustür. Die erwachsene Tochter unserer armenischen Nachbarn lud mich zu sich zum Kaffee ein. Sie u. ihre Mutter waren fertig mit Putzen. Die Terrasse war abgespritzt u. der Garten gewässert. Noch war alles frisch u. kühl.

Unter einer Weinlaube tranken wir unseren Mokka u. unterhielten uns auf Englisch.

Die Herzlichkeit der beiden Frauen tat mir gut. Ich fühlte mich so wohl mit ihnen, daß ich mit Ungeduld den nächsten Sonntag für meine Gegeneinladung erwartete.

Aus unserer ersten nachbarschaftlichen Begegnung entwickelte sich bald eine intensive Freundschaft zu der ganzen Familie. Kein Tag ohne die Nachbarn.

Die Mutter - Lucy - stand mir am nächsten. Sie war mir nicht nur Freundin, sondern auch Mutter, Schwester u. Heimat. Sie gab mir Geborgenheit in diesem fremden Land.

Ich gehörte zur Familie, auch mein Mann u. unser kleiner Rimi, damals 1½ Jahre alt. Er hatte nun zwei Mamas: Mama Lucy u. mich. Bald begann er zu unserer aller Entzücken Armenisch zu plappern.

So lebten wir 3 Jahre in inniger Nachbarschaft Wand an Wand, bis wir uns traurigen Herzens trennen mussten, als ich - hochschwanger - mit Rimi nach Deutschland zurückkehrte. Mein Mann konnte uns erst ein Jahr später folgen - aber das ist eine andere Geschichte ...