Unser kleines Haus (Mushtamal) und unsere Nachbarn - ein Text der Malerin Gisela Al Amily
Gisela Al Amily schreibt über die Anmietung eines Hauses in der Nähe einer Kirche in Bagdad und über ihre jüdischen und armenischen Nachbarn, und sie erwähnt die beginnende innige Freundschaft zu Letzteren. Darüber hinaus erzählt sie von einer Gepflogenheit, die zu erfüllen ihr nicht ganz leicht fiel und von der unerwarteten Sprachentwicklung ihres Sohnes.
Unser kleines Haus (Mushtamal) und unsere Nachbarn
Nach etwa zwei Monaten entschlossen wir uns, ein Haus zu mieten. Gesucht, gefunden. Nach langer Verhandlung über den Mietpreis bekamen wir den Zuschlag. Die Hälfte von Razaks Einkommen ging nun an unseren jüdischen Vermieter, der gleichzeitig unser unmittelbarer Nachbar auf der einen Seite wurde. Auf der anderen Armenier, die Mouradians. Eigentlich konnten wir uns das Häuschen nicht leisten, aber es gefiel uns so gut, ganz in weiß, Fenstern und Haustür blau und dem gemütlichen Innenhof, daß wir dafür bereit waren, noch sparsamer zu leben.
Es lag in einer Sackgasse in unmittelbarer Nähe einer Kirche, ein Zeichen für eine Wohngegend von Christen.
Die Nachbarinnen links und rechts verwöhnten uns mit Proben ihrer Kochkünste. Da man Teller nicht leer zurückgibt, hatte ich stets meine liebe Not, etwas Adäquates zu zaubern.....
Im Islam ist der Freitag Feiertag, für die Christen der Sonntag, wie bei uns. An einem solchen Vormittag wurde ich von den Mouradians zum Kaffee eingeladen - zum armenischen - versteht sich. Das war der Beginn einer innigen Freundschaft mit Mama Lucie und Baba Lon, wie Rimi das Ehepaar nannte, und ihrer Tochter Shake sowie den Söhnen Leon und Aram. Wir verständigten uns in Englisch. Rimi wurde der Liebling und Verzug unserer neuen Freunde. Statt Arabisch lernte er nun Armenisch.....


