Weihnachten - ein Gedicht der Malerin Gisela Al Amily
Gisela Al Amily liebte die Weihnachtszeit. Sie stellte ihre von ihr scherzhaft "Warndreiecke" genannten Schwedenleuchter ins Fenster und schmückte dezent ihre Wohnung - seit 1982 stets ohne Weihnachtsbaum, denn den hatte sie sich in Riad mangels Verfügbarkeit "abgewöhnt". Sie hörte passende klassische Musik, vor allem von dem von ihr sehr verehrten Johann Sebastian Bach, und sie gönnte sich die eine oder andere weihnachtliche Nascherei. Darüber hinaus schrieb sie viele Weihnachtsbriefe und erhielt ebensoviele.
In diesem Gedicht wirft sie allerdings einen recht kritischen Blick auf die Weihnachtszeit.
Weihnachten
Straßen und Märkte festlich geschmückt,
Läden in strahlendem Glimmer.
Menschenmassen wie verrückt
sich drängen im Kerzenschimmer
einkaufbeladen durch die Pracht.
Aus dem Lautsprecher dröhnt es "Stille Nacht",
Gesichter verbissen, die Hände geballt,
aus jeder Ecke es weihnachtlich schallt.
Oh, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Viel Trinken, Schmausen und Rennen ...
Verändert ist die Christenheit,
darf sie sich noch so nennen?
Bei so viel Lüge, Haß und Neid
und Kampf um Geld und Macht,
wo Terror bringt immenses Leid
und Satan drüber lacht.
Soll unsere Welt denn ganz erkalten?
Laßt endlich Einkehr uns doch halten
und uns bescheiden wie Jesus Christ,
der Anlaß dieses Festes ist.
15. Dez. 2001


