In der Wüste - ein Gedicht der Malerin Gisela Al Amily
Als die Künstlerin von 1982 bis 1985 in Saudi-Arabien lebte, unternahm sie häufig, zusamen mit ihrem Mann und teilweise anderen, Ausflüge mit dem Auto in die Wüste. Dabei musste man stets aufpassen, dass man genügend Wasser, Proviant und Benzin dabei hatte, nicht im Sand stecken blieb und sich nicht verfuhr. Eines war dabei immer wieder beeindruckend: die völlige Ruhe und die unendlich erscheinende Einöde.
Von diesen Ausflügen dürfte dieses Gedicht, ein Sonett, inspiriert worden sein.
In der Wüste
Endlose Einsamkeit, kein Mensch weit und breit.
Sandschwangere Wolken zieh'n über mir her,
wohin ich auch blicke, nur Sand wie ein Meer
und Steine geschliffen vom Atem der Zeit.
Kein Laut stört mein Ohr, vergessen Stund' und Raum.
Heißer Wind streicht sanft über das stille Land.
Am Horizont Dunst wie ein silbernes Band.
Ich lasse mich treiben so leicht wie im Traum.
Mein seidener Umhang hebt sacht' sich im Wind.
In meiner Kehle spüre ich Trockenheit.
Feinster Staub macht langsam die Augen mir blind.
Und schon bald ist mein Körper wie zugeschneit.
Schnell zurück, solange da noch Spuren sind,
sonst begräbt mich die Wüste für alle Zeit.
Geschrieben am 1. Nov. 2001


