Der letzte Sommertag - ein Gedicht der Malerin Gisela Al Amily
Dieses Sonett drückt zum einen wehmütige Gedanken an den zu Ende gehenden Sommer aus und Reue, die schönen Tage nicht ausreichend genutzt zu haben, und zum anderen Entschlossenheit, die Zukunft besser zu gestalten.
Der letzte Sommertag
Frühnebel, fast abgeerntet die Felder,
es riecht nach Herbst, hier und da gelbe Blätter,
die Nächte kühl, mal Sturm, mal Regenwetter,
reifes Obst am Baum, Pilze in den Wäldern.
Am Tage wärmt uns wohlig noch die Sonne,
Sommerblumen leuchten in voller Pracht,
Vögel fliegen nach Süden, früh kommt die Nacht,
in Cafés essen Leute Eis mit Wonne.
Voll Wehmut ahne ich den Winter kommen,
möcht' halten fest die schönen Sommertage.
Ach hätte ich mehr Zeit mir doch genommen.
Das werd' ich ändern, was nützt jetzt die Klage.
Carpe diem! - vom Blütenduft benommen,
nutze den Tag! - der Herbst kommt - ohne Frage.
Gisela Al Amily
Sept. 1999


