Herbst - ein Gedicht der Malerin Gisela Al Amily
Im März 1995 unternahm Gisela Al Amily den drastischen Schritt, sich nach 32 Ehejahren von ihrem Mann zu trennen und von dem gemeinsamen Haus in eine kleine Wohnung zu ziehen. Dieses Gedicht, ein Sonett, erzählt zum einen von wehmütigen Gedanken an vergangene Zeiten, zum anderen drückt es Hoffnung aus und den Entschluss, die Zukunft zu meistern.
Herbst
Die Blätter rieseln langsam von den Bäumen,
mit Wucht der Regen schlägt an meine Fenster,
die Nebelschwaden wabern wie Gespenster.
Wie gut läßt es bei Kerzenlicht sich träumen.
Ich denke an vergang'ne, schöne Zeiten,
an meine Liebe, die ich nun verloren,
obgleich er immer Treue mir geschworen.
Noch lange wird die Sehnsucht mich begleiten.
Ich weiß, das Glück kann man nicht immer halten,
auch aus dem Leid erwachsen neue Kräfte,
muß nun mein Leben neu gestalten,
wenn in den Bäumen steigen auf die Säfte,
im Frühling mit entfesselten Gewalten.
Den Lebensmut kann man nicht kaufen im Geschäfte.
15. Otober 1998


